Christliche Feiertage

May 17th, 2012

An einem schönen Auffahrtsmorgen lese ich einen NZZ-Artikel über die Bedeutung der Auffahrt und denke dabei an die vielen Partyeinladungen auf Facebook für vergangene Nacht, welchen ich, da ich in der Nacht davor schlecht geschlafen hatte, nicht gefolgt bin.

Schon an Ostern beschlich mich das Gefühl, dass in einer durchsäkularisierten Gesellschaft wie der unsrigen religiöse Feste als allgemein verbindliche, gesetzliche Feiertage ihre Legitimation verloren haben. Sie werden von der Allgemeinheit als willkommene, gesetzlich anerkannte Freizeit begrüsst – an Ostern und Pfingsten fährt man weg, an Auffahrt schlägt man die Brücke bis übers Wochenende und erholt sich vom Stress des spätkapitalistischen Systems – aber der Sinn der Feste, die Geschichte dahinter ist nicht mehr im Bewusstsein der Menschen.

Eine radikale Figur wie Jesus ist sich das natürlich gewohnt. Er wäre heute nicht am Kreuz, sondern in der Klapse, während alle anderen seinetwegen blau machen. Er wurde in den vergangenen zwei Jahrtausenden für alle möglichen Dinge schwer missbraucht, aber selten in seinem überlieferten Handeln verstanden. Der grösste Verdienst der Kirche ist, dass sie die nach wie vor revolutionäre Kernbotschaft erfolgreich bis heute transportiert hat. Sonst ist sie aber auch nur mit Menschen durchsetzt, die sich besser oder schlechter an dieser Botschaft orientieren und in der Masse nun mal einen gewissen Selbst- und Besitzerhaltungstrieb entwickelt haben. Der für die Schäfchen vereinfachte Glaube war nie differenziert genug: bei den Katholiken prägte sich die Hierarchisierung – wenn auch historisch durch die Schismen erklärbar – zu stark aus, der Fokus lag zu sehr auf den Sünden und der Beichte, also der Abhängigkeit des Gläubigen von der Kirche; bei den Protestanten wiederum wurde Eigenverantwortung und Schriftorientierung zu gross geschrieben, wodurch das Sinnliche der Glaubenserfahrung und das Gefühl der Aufgehobenheit wieder litt.

Aber hier gehts mir nicht so sehr um die Kirche und nicht um die Massnahmen, die sie angehen muss, um die jüngeren Menschen wieder zu erreichen, sondern um die Kernbotschaft, die hinter all den ominösen Feiertagen, hinter mystischen, wenn nicht gar abstrakten Bildern wie der unbefleckten Empfängnis, der Auferstehung und eben der heutigen Auffahrt Christi steht. Und diese ist das Leben und Handeln von Jesus selber: die Hinterfragung des Establishments und der Machtverhältnisse; die kritische Diskussion mit Gelehrten; die Entwicklung einer eigenen Vision; der Zuwendung zu den Armen, Kranken und Outlaws; das Praktizieren von Nächstenliebe und Vergebung; die Aufopferung für die eigenen Überzeugungen.

Das sind natürlich alles Dinge, die die wenigsten Menschen leben. Vielleicht verschob sich in der Religion deshalb die Deutung von Jesu in Richtung “Sohn Gottes in Menschengestalt”, weil seine Handlungen so radikal waren. Die meisten Menschen sind einfach nicht so. Etwas Interessantes ist mir in diesem Zusammenhang noch aufgefallen. Die in der Bibel einige Mal verwendete Selbstbezeichnung Jesu, “Menschensohn”, deutet für mich – natürlich in bewusster Nichtbeachtung der historischen Begrifflichkeit und der gesamten Exegese – auch auf die nächste Generation, auf den neuen Menschen hin.

Da bleibt die Frage: Sind wir jetzt endlich die neuen Menschen? Gibt es eine Entwicklung? Are we ready yet? Die Antwort ist nein, aber gerade darum bleibt Jesus als ein zentrales Vorbild nach wie vor gültig.

Spread love, mit oder ohne Feiertage.

Totalität

April 14th, 2012

An der gestrigen illuster besuchten Lesung des ungarischen Autors Péter Nádas im Zürcher Literaturhaus sagte dieser während der Diskussion mit Ilma Rakusa über sein soeben auf Deutsch erschienenes, thematisch und auch sonst umfangreiches Buch “Parallelgeschichten” auf die Frage, ob er das Buch mit einem totalen Anspruch geschrieben hatte, dass – sinngemäss – das europäische Denken nun mal eine Art Totalität anstrebe. Nun, ich kann ihn gut verstehen. Besonders aus ostmitteleuropäischer Perspektive erscheint Totalität, wo doch umso weniger erreicht, desto erstrebenswerter. Aber das Totale oder die Ganzheit – in seiner Komplexität – ist etwas, das auch in meinem Hirn herumgeistert und sich regelmässig Gefechte liefert mit Effizienz einerseits und mit Liberalität andererseits. Totalität ist immer auch antiliberal, unüberschaubar, ungewiss. Totalität ist ein Bschiss, und doch lieben wir Europäer sie. Sie ist verantwortlich für die Probleme, die wir haben. Sie kämpft für Mutter Europa, sie bewahrt, indem sie uns das Gefühl gibt, sie zerstört, indem sie uns lähmt. Umgekehrt ist es das Grundliberale und Antitotal(itär)e, was mich während meiner letztjährigen US-Westküstenreise so fasziniert und irritiert hat: die Möglichkeit, ohne Totalität zu leben, weil es im bewussten Nebeneinander auch ohne geht. Weil: we are not one, we are the people.

Orbán, Fidesz, Nagy Imre és a párt.

July 21st, 2011

Most nézzétek hogy milyen szépen beszélt annak idején a párthatalom ellen és hogy maig mennyire megváltozott Orbán is meg a Fidesz is. Ma ök azok, akik nem akceptálják a másképp gondolkodókat, ma ök nem az országért, hanem a pártért dolgoznak. Kínos dolog, de végülis igy félti a politikus a hatalmát. A MSZP se volt más. – Ti pedig kezdjetek végre adót fizetni, hogy Magyarországbol végre legyen valami rendes, büszke, gyönyörü ország. Töletek függ, nem a nevetséges politikusotoktol.

Entschleunigung

June 9th, 2011

Die über-beschleunigte Online-Presse und Gratiszeitungen wiederholen halbvergorenes Zeug. Gebloggt ist schnell, Nachdenken geht nicht mehr. Nicht mal einen halben Tag lang. Selbst Qualitätszeitungen strudeln.

Effizienz

January 27th, 2011

Der Primat des effizienzgesteuerten Managerdenkens über das sachbezogene Denken und die Kreativität ist der Primat der Form über den Inhalt.