Antisemitismus

Antisemitismus beginnt dort, wo das Verständnis für die historisch einmalige Situation der Juden aufhört: Es handelt sich um die Rückkehr eines Volks / einer Ethnie in ihre angestammten Gebiete nach knapp 2000 Jahren der Diaspora. – Dass diese Gebiete in der Zwischenzeit nicht unbesiedelt geblieben sind, ist ebenso klar, wie sich deren neuere Bewohner nach Ausrufung des Staates Israel zu Recht in ihrer Existenz bedroht fühlten. Insofern berufen sich sowohl Juden/Israelis und Palästinenser auf ein Gewohnheitsrecht, die Ersteren aufgrund der langen Abwesenheit bestimmt ‘in extremis’. Diese Situation ist einmalig, jedoch ist der gesunde Menschenverstand geneigt, die Rückkehr in die Heimat gerade auch angesichts der jahrhundertelangen Schikanen und Verfolgungen in der Diaspora, die im Holocaust gipfelten, zu verstehen und zu akzeptieren. Wer Israel das Existenzrecht abspricht, ist ein Antisemit. Das heisst nicht, das Israel nicht kritisiert werden darf. Im Gegenteil: Gerade die Israelis haben durch die Erfahrung des vielen ihrer Vorfahren zugefügten Leids eine besondere Verantwortung, mit Gewalt umzugehen. Und diesbezüglich sind die Siedlungen, die Mauer und die Verhinderung einer fairen Zweistaatenlösung eine chronische Katastrophe für die Region und die Welt – da kann man lange am palästinensischen Führungschaos rummäkeln.

Zu: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/grossbritanniens-linke-antisemiten-ungleiche-massstaebe-an-israel-ld.81748

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