Mike Brecker +

Michael Brecker, der stilbildende Tenorsaxophonist der letzten 30 Jahre, ist an seiner schweren Knochenmarkerkrankung gestorben. Für mich als Nicht-Saxophonisten gabs eigentlich immer nur Bird, Trane und Mike, was die Spieler der goldenen Schlange anging. Mike ging an die Grenzen von fast allem: Technik, melodische, rhythmische, harmonische Komplexität. Dies hat mich und viele andere tief geprägt. Wenn auch eher Kopf- als Bauchmensch, was sich in seiner Musik auch ausdrückte, berührte er gerade durch die millionenfache virtuose Umspielung und intellektuelle Annäherung an die Emotion in der Musik – ein Mathematiker an den Klappen, der in diesem Sinne Infinitesimalrechnung auf höchstem, kaum rezipierbaren Level betrieb. Ein Wahnsinn seine Platten: “Michael Brecker”, “Don’t Try This At Home”, “Now You See It (… Now You Don’t)” etc. und die vielen Konzerte, die ich gesehen habe, mit Brecker Bros. oder ihm als Leader. Und da ist noch diese Aufnahme, die für mich immer noch die wichtigste für meine musikalische Motivation ist, eine Aufnahme aus Montreux, 1988, wo er mit Herbie Hancock, Buster Williams und Al Foster “I Didn’t Know What Time It Was” auseinandernimmt und gleichzeitig kongenial neu so zusammensetzt, dass es einem die Sprache verschlägt. R.I.P.

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