Blocher

Schon wieder reizt unser werter Bundesrat Blocher seine Kompetenzen über Mass aus. Nachdem er in der Türkei im Hinblick auf die Diskussion rund ums Armeniergemetzel 1915/17 die schweizerische Verfassung kritisiert hat (Anti-Rassismus-Gesetz), hat er jetzt in Bern seine Presskonferenz informell verlängert, um seine Meinung zur Vergewaltigung von Seebach und – wohl der zentrale Punkt für ihn – deren Umständen zu äussern, obwohl der Pressetermin seiner Kollegin schon begonnen hatte. Die Tatsache, dass an dieser Gruppenvergewaltigung an einem 13-jährigen Mädchen vor allem junge ausländische Männer beteiligt waren, veranlasste Blocher zum weiten Ausholen über Integrations- und Ausländerpolitik, obwohl seine Pressekonferenz zur Revision des Patentgesetzes angesetzt war. Naja, das kann meinetwegen passieren, aber dann lässt man doch nicht Frau Kollegin Leuthard alleine im Pressesaal sitzen. Mein alter Physiklehrer Horst Dargel würde sagen: «Rüge!» Einmal mehr attackiert Blocher gutschweizerischen Anstand und Sitte, einmal mehr beweist er, dass er nicht für Kompromiss, sondern für Konfrontation steht. Damit macht er vieles kaputt, da die anderen nicht darauf einsteigen wollen. Will heissen: Er ist das Übel – aber die anderen sehen auch nicht viel besser aus, da sie permanent in der Defensive scheinen, sich nicht aktiv verteidigen. Und gibt es nun mal ein Übel, muss, MUSS man eben auch adäquat darauf reagieren können, es neutralisieren. Blocher ist nun mal ein hartnäckiges Übel, er bohrt herum, nervt, will etwas. Der Bundesrat und die Schweiz muss Position beziehen zu den Themen in seiner Agenda, ob sie wollen oder nicht. Nächstes Mal besser aufpassen und selber Agenda setten! Und jetzt Augen auf und durch! Das offenbart auch die Schwächen des alten Systems Schweiz, des Kompromisses, der Unausgesprochenheit.

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