Antisemitismus

May 11th, 2016

Antisemitismus beginnt dort, wo das Verständnis für die historisch einmalige Situation der Juden aufhört: Es handelt sich um die Rückkehr eines Volks / einer Ethnie in ihre angestammten Gebiete nach knapp 2000 Jahren der Diaspora. – Dass diese Gebiete in der Zwischenzeit nicht unbesiedelt geblieben sind, ist ebenso klar, wie sich deren neuere Bewohner nach Ausrufung des Staates Israel zu Recht in ihrer Existenz bedroht fühlten. Insofern berufen sich sowohl Juden/Israelis und Palästinenser auf ein Gewohnheitsrecht, die Ersteren aufgrund der langen Abwesenheit bestimmt ‘in extremis’. Diese Situation ist einmalig, jedoch ist der gesunde Menschenverstand geneigt, die Rückkehr in die Heimat gerade auch angesichts der jahrhundertelangen Schikanen und Verfolgungen in der Diaspora, die im Holocaust gipfelten, zu verstehen und zu akzeptieren. Wer Israel das Existenzrecht abspricht, ist ein Antisemit. Das heisst nicht, das Israel nicht kritisiert werden darf. Im Gegenteil: Gerade die Israelis haben durch die Erfahrung des vielen ihrer Vorfahren zugefügten Leids eine besondere Verantwortung, mit Gewalt umzugehen. Und diesbezüglich sind die Siedlungen, die Mauer und die Verhinderung einer fairen Zweistaatenlösung eine chronische Katastrophe für die Region und die Welt – da kann man lange am palästinensischen Führungschaos rummäkeln.

Zu: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/grossbritanniens-linke-antisemiten-ungleiche-massstaebe-an-israel-ld.81748

Deutschland und das Öffnen der Grenzen

March 7th, 2016

Gedanken zu: http://www.zeit.de/2016/07/grenzsicherung-fluechtlinge-peter-sloterdijk-ruediger-safranski-erwiderung

Strategisch war das Öffnen der Route letztes Jahr insofern ein kluger Schachzug, als dass Deutschland innerhalb weniger Monate eine Million zukünftiger Steuerzahler, Arbeitskräfte und Eltern importiert hat, die für den Ausgleich der angesichts der Geburtenrate (1,47 in 2014) schwindenden Bevölkerung Deutschlands dringend nötig sind.

Die – finanziellen und gesellschaftlichen – Kosten der Integration sind zu tragen. Die Deutschen wie auch alle anderen Europäer sind innert nützlicher Frist nämlich kaum zu motivieren, genug Kinder zu bekommen – sieht man sich die massiven steuerlichen und sonstigen Benefits für Eltern gerade in Deutschland an, denke ich, dass die Kosten für eine substanzielle Hebung der Rate (um min. 0,7 Punkte) immens wären. Ich sehs mehr so, dass Deutschland noch mehr zum kleinen Amerika werden könnte, als es das schon heute ist.

Ein Argument gegen diese Strategie wären die akzeptierte Schrumpfung der Bevölkerung angesichts von Arbeitsplatzwegfall durch weitere Mechanisierung von Arbeit sowie eine dadurch nötige massive Reorganisation des Sozialstaats (Altersrente/Steuern). Aber ob das dann so schnell geht…?

Proposal: Improved structuring of incoming calls on mobile phones

March 5th, 2016

Many years ago we all had fixnet telephones without answering machine/mailbox or number recognition. The paradigm was to take the call when the phone was ringing and see who’s there. This had some disadvantages, but also some advantages. Because you simply couldn’t, you did not check who was calling and you didn’t spend any time or energy deciding whether to take the call or not. You didn’t let emotions or reasoning get into the way of communicating. You just took the call.

Mailboxes, number recognition and finally the mobile phone have changed all of this dramatically. People have responded with a huge variety of coping mechanisms regarding how to handle these technical possibilities. Smartphone OS makers like Apple or Alphabet/Android have built in a variety of options how you could take calls like silent mode, number blocking, individual ringtones depending on the caller, manual or scheduled night mode, and even assignable caller groups that override night mode etc. That’s a nice set of features, but given the fact that a) fixnet and its safe phenomenal quality is disappearing and b) people are stressed out by the mobile phone and its permanent reachability paradigm, an even freer approach of prioritizing caller groups is desperately needed.

That is:

  • Silent/vibra mode is not needed anymore. The usual loud/silent switch could become a day/night mode switch.
  • It has to be possible to assign special caller groups (like the Favourites) to day and night mode respectively that will always make a phone ring loud, no matter what. (Of course I can also not assign anyone to this group.) Vibra on/off is an option.
  • The rest of the callers will follow the rules given by the respective day and night modes, including ringtone, vibra and repeated call options.

This way the incoming calls are structured more effectively and more subtly. The mobile phone becomes more ergonomic, it will be used with more pleasure once you have programmed the incoming call structure the way you really want it.

 

Flow

December 21st, 2012

Coming-of-Age war mir schon immer fremd. Ich habe Existenz immer schon als einen Flow empfunden und was mir bei Gleichaltrigen an Rituellem während der Pubertät misstrauisch machte, hat sich für mich später in ihrem sozial induzierten Ein- und Ausüben von immer enger Denk- und Verhaltensmustern (“Fokus”) bestätigt: das Herdentier und seine kollektive Sentimentalität für vergehende Zeit. Zeit wird für mich zum immer grösseren Thema, je mehr ich sehe, dass ich mich diesen Muster und Spaces nicht öffnen kann oder will. Mit dem zunehmenden Mich-der-Welt-Aussetzen habe natürlich auch ich viele Schritte in die Welt des kollektiven Erlebens getan, aber letztendlich bleibe ich in einer relativ kompromisslos kommunizierten Selbstverständlichkeit bei mir und in mir. Das Soziale kommt immer danach.

Das hatte und hat natürlich eine entsprechende Hermetik zur Folge, unter der ich nicht selten gelitten habe. Aber die Eigenständigkeit war immer stärker und hielt mich im Innersten von dem Anderen fern.

Ich genoss in seltenem Masse das Leben in Italien, weil die Kultur in ihrer ausgesprochenen Soziabilität als Gegenpol zu meinem etwas autarken Wesen in hervorragender Weise entsprach. Es war ein fruchtbares Geben und Nehmen. Und ich litt so oft in meiner Schweizer Secondo-Heimat, weil die lokale Kultur genauso verschlossen und eigenbrötlerisch ist wie ich selbst. Gegenläufige Partner, die einander viel Energie abtrotzten.

Civilization

November 9th, 2012